Bestechend knapp und gut lesbar findet Gustav Seibt von der "Süddeutschen Zeitung" Herfried Münklers Parforceritt durch die Weltgeschichte der Imperien. In seiner Untersuchung richte Münkler den Blick ebenso auf das Römische Reich, das britische Empire und China, wie auf die Seeimperien der Spanier, Holländer und Portugiesen und die Vielvölkerreiche der Habsburger, Osmanen und russischen Zaren, und er tut dies so präzise, dass der Rezensent das Versprechen des Untertitels "Die Logik der Weltherrschaft" voll und ganz eingehalten sieht. Überzeugend findet Seibt, wie Münkler das Imperium von Staaten abgrenzt. Letztere erkläre Münkler als hoch integrierte Gebilde, in denen sprachliche, kulturelle, rechtliche, wirtschaftliche und militärische Grenzen zusammenfallen, fasst es Seibt, während Imperien heterogen, multinational und viel ungleichmäßiger integriert sind, vom Zentrum zur Peripherie abfallend (dahinter kommen die Barbaren). Auch Münklers Überlegungen zur augusteischen Schwelle findet Seibt sehr schlüssig, wonach für jedes Imperium der Übergang von der Ausdehnung zur Stabilisierung der Macht zum kritischen Punkt wird.
Auf die Frage des "FOCUS", warum sich gerade Europa am Ordnungsmodell des Imperiums orientieren sollte sagte Münkler: "Die europäische Geschichte ist seit dem Untergang des weströmischen Reichs ohne ein stabiles und dauerhaftes Imperium verlaufen. Europas Geschichte ist spätestens seit dem 16./17. Jahrhundert Staatengeschichte. Angelehnt an dieses Modell ist auch der europäische Integrationsprozess organisiert worden. Er kennt im Prinzip nur die Idee eines Systems von Waben, die gleichberechtigt aneinander gelegt werden. Das hat zur Folge, dass immer am Rand dieser Waben robuste Grenzen errichtet werden müssen. Die Staaten dahinter kommen dadurch in eine so deprimierende Position, dass sie unbedingt zu Europa gehören wollen. Jede erfolgreiche Beitrittsrunde provoziert gleich die nächste hinterher.
Auf die Frage des "FOCUS" welcher Logik das Streben nach immer größerer Herrschaft gehorcht, antwortet Münkler, es sei die "heilsgeschichtliche Aufladung" der Mission eines Imperiums, die in den Mittelpunkt gestellt werden müsse. "Man kann das eigentlich bei allen Imperien feststellen", so Münkler: "Beim spanischen Weltreich und beim zaristischen Russland hatte das Christentum eine zentrale Funktion. Für die Briten war es die Verbreitung der Zivilisation, bei den Amerikanern ist es die Verbreitung von Demokratie und Marktwirtschaft. Darin unterscheiden sich Imperien von großen Mächten, die eigentlich ohne diese Orientierungsmuster auskommen."
"Imperien". Verlag Rowohlt Berlin, 332 Seiten, 19,90 Euro.
Weitere Publikationen: "Machiavelli" (1982), "Gewalt und Ordnung" (1992), "Die neuen Kriege" (2000)